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Ein voller Erfolg war die Eröffnung der Ausstellung „Die Sudetendeutschen – eine Volksgruppe in Europa“ im Foyer des Museum-Neuanbaus für Flüchtlinge und Vertriebene im Hofer Museum, zu der der Sudetendeutsche Rat, die Seliger-Gemeinde Hof und die Stadt Hof eingeladen hatten. An die 80 Besucher kamen zu dieser Eröffnung. Hofs Oberbürgermeister Dr. Harald Fichtner hob hervor, dass in der Stadt Hof jede dritte Familie einen Vertriebenenhintergrund hat. Er lobte die Arbeit der Vertriebenenverbände. Dank deren Mithilfe nach 1945 ist die Integration gelungen. Heute pflegt die Stadt Hof eine gute Zusammenarbeit mit der Partnerstadt Eger. „Die Zeiten des Gegeneinanders gehören der Vergangenheit an.“
Konzipiert hat die Ausstellung der Sudetendeutsche Rat. Ins Vogtlandmuseum geholt hat sie Peter Heidler, Vorsitzender der Seliger Gemeinde Hof, unterstützt von Museumsleiterin Sandra Kastner. Christa Naaß, die Generalsekretärin des Sudetendeutschen Rates, dankte bei ihrer Rede hierfür und führte dann in die Ausstellung ein. Aus 800 Jahren Geschichte der Sudetendeutschen vertiefte sie die letzten 100 Jahre, verwies auf das Selbstbestimmungs-recht, das die Volksgruppe nach dem 1. Weltkrieg in dem neugebildeten Staat, Tschechoslowakei, einforderte. Ein Generalstreik wurde 1919 mit Waffengewalt niedergeschlagen. 1938 erfolgte mit dem Münchner Abkommen der Anschluss ans Reich. Schließlich nach 1945 die Umsetzung der Benes Dekrete mit der Vertreibung und Enteignung der Volksgruppe. 70 Jahre sind seitdem vergangen und immer noch belastet uns die Geschichte, betonte Christa Naaß. Sie begrüßt die Annäherung der beiden Staaten nach jahrzehntelanger Eiszeit auf vielen Ebenen.
„Nie wieder Krieg, Flucht und Vertreibung, das muss die Botschaft und unser aller Auftrag sein“, so Naaß. „In der Ausstellung wird aber auch deutlich: Menschenrechte sind unteilbar. Heute und auch künftig ist es wichtig, immer für das Recht auf Heimat und das Recht auf Selbstbestimmung einzutreten – und zwar für alle Völker und Volksgruppen.“
Die Generalsekretärin ging bei ihren Ausführungen auch auf die Notwendigkeit und Wichtigkeit des bundesweiten und bayerischen Gedenktages für die Opfer von Flucht und Vertreibung ein, dessen Ziel ein Doppeltes ist: Mahnende Erinnerung und weltweite Ächtung von Vertreibung. Denn: Leiden bleibt Leiden, egal wem es widerfährt.
Peter Heidler nennt drei Gründe, warum er die Ausstellung nach Hof geholt hat: 1. Weil das Hofer Museum durch seine Dauerausstellung über Flüchtlinge und Vertriebene der geeignete Erinnerungsort hierfür ist. 2. Das Lager Hof- Moschendorf war für 2 Millionen Flüchtlinge das Tor zum Westen. 15 000 der Vertriebenen und Flüchtlinge hätten sich hier niedergelassen, nicht ohne Widerstände und Verunglimpfungen. Jeder Flüchtling und Vertriebener könnte so seine eigene Vertreibungsgeschichte erzählen. Und 3. Sei es wichtig die Erinnerung an Flucht und Vertreibung wachzuhalten. Auch heute, da weltweit über 65 Millionen auf der Flucht sind und die Thematik z.Z. brandaktuell ist brauche es nicht weniger, sondern mehr Europa. Unser Wertesystem wird auf die Probe gestellt und wir müssen uns dazu bekennen.
Die Sonderausstellung wird noch bis 15. November im Museum Bayerisches Vogtland, Hof, Sigmundsgraben 6, gezeigt. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10.00 Uhr – 16.00 Uhr
Info unter: www.hof.de
Christa Naaß, ehemalige Landtagsabgeordnete aus Haundorf kann zwar nicht mehr zu einer Fahrt in den Bayerischen Landtag einladen. „Aber auch der Bezirk Mittelfranken bietet interessante Informationen“, so Christa Naaß bei der Begrüßung ihrer Besuchergruppe aus dem Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen und dem Raum Ansbach.
Der Tag begann mit einem Besuch des Freilandmuseums in Bad Windsheim. 700 Jahre Zeitgeschichte erwanderten die Gäste von Christa Naaß, u. a. die Königliche Hoheit Annemarie I, Apfelkönigin der Fränkischen Moststraße, an einem herrlichen Herbsttag. Von Dr. Herbert May, dem Leiter der Einrichtung bekamen die Besucherinnen und Besucher einen umfassenden Eindruck über die mittlerweile mehr als 100 Bauwerke, die an ihren ursprünglichen Standorten abgebaut und originalgetreu im 45 ha großen Museumsgelände wieder aufgebaut wurden. Sie besuchten auch das erst zwei Tage zuvor eröffnete Büttnerhaus aus Wipfeld/Unterfranken und erlebten dort das historische Büttnerhandwerk. Das Haus gehört zu den schönsten Fachwerkhäusern des Freilandmuseums.
Am Nachmittag stand der Besuch des Bezirksklinikums Ansbach auf der Tagesordnung. Die Gruppe wurde von Vorstand Helmut Nawratil begrüßt und über die zahlreichen medizinischen Angebote informiert, die ein starkes Netz in verschiedensten Lebenskrisen darstellen. Zum Bezirksklinikum Ansbach gehört auch die Psychiatrische Tagesklinik mit Institutsambulanz in Weißenburg, erfuhren die Gäste.
Auf großes Interesse stieß die Psychiatriedauerausstellung, in der u.a. ein Raum an die Gräueltaten des Dritten Reiches erinnert. Erschüttert nahmen die Besucher zur Kenntnis, dass über 350 Zwangssterilisationen an geistig Behinderten und psychisch Kranken aufgrund des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ durchgeführt wurden. Im Rahmen der T4-Aktion deportierte man in den Jahren 1940 und 1941 fast 900 Schutzbefohlene, psychisch Kranke und geistig Behinderte in Tötungsanstalten. Auch Kinder wurden nicht verschont. Besonders alte und gebrechliche Patienten waren die Opfer des sogenannten Hungerkosterlasses, der ab Ende 1942 in den bayerischen Anstalten zum Tode vieler Insassen führte.
Die Gruppe von Christa Naaß gedachte am Mahnmal an die über 2000 Opfer des Nationalsozialismus in der Heil- und Pflegeanstalt Ansbach.
Mit einem Besuch des Bezirksrathauses dem Arbeitsplatz der Stellvertreterin des Bezirkstagspräsidenten, in dem z.Z. eine Ausstellung des Westmittelfränkischen Künstlerkreises zu sehen ist und Erläuterungen über die Arbeit des Bezirkstages endete ein überaus interessanter Tag.
Auf Einladung der Stellvertreterin des Bezirkstagspräsidenten Christa Naaß tagte die SPD-Bezirkstagsfraktion anlässlich ihrer jüngsten Fraktionssitzung in Pappenheim.
Von Dr. Graf von und zu Egloffstein geführt konnten sich die Fraktionsmitglieder einen Überblick über die mittelalterliche zweihöfige Burganlage und von dort aus über ganz Pappenheim machen. Sie wurden außerdem über anstehende Projekte und Planungen informiert. Christa Naaß machte deutlich, dass der Bezirk in der Vergangenheit immer gerne im Rahmen der Zuschussmöglichkeiten Sanierungs- und Instandsetzungsarbeiten in der Burg, und der ehem. Augustiner-Klosterkirche oder Ausstellungen unterstützt hat und dies natürlich auch künftig tun wird.
Im Rathaus wurde die Bezirkstagsfraktion von Bürgermeister Uwe Sinn empfangen, der die Teilnehmer über die Geschichte, die Entwicklung und die Zukunftsperspektiven der Stadt Pappenheim informierte. Dabei kamen u.a. die Situation der 1700 Arbeitsplätze in Pappenheim genauso zur Sprache, wie die Verlagerung der Rummelsberger Werkstätten in die Nachbarkommune, die städtebauliche Entwicklung, die Entwicklung in Sachen Europäisches Haus, der Tourismus sowie aktuelle anstehende Investitionen.
Wie kann es weitergehen?
Das war die große Frage des Nachmittags, als Prof. Dr. Joachim Grzega, das von ihm seit Sommer 2012 geführte Haus vorstellte. Mehr als überrascht waren die SPD-Bezirksräte Dr. Horst Krömker, Ronald Reichenberg, Amely Weiß und Elke Zahl über die zahlreichen Aktivitäten und Vielzahl von EU-Politikerinnen und –politiker und EU-Experten, die schon im EHP gesprochen hatten.
Gerade in der aktuellen Flüchtlingssituation ist der von Prof. Grzega entwickelte „Sprachnotarzt“ eine gute Möglichkeit, den Flüchtlingen innerhalb von drei Tagen die wichtigsten Kenntnisse in Wortschatz und Grammatik für ihre Verständigung im Alltag zu vermitteln. Dieses Konzept hatte er erst jüngst der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligen-Agenturen vorgestellt.
„Auch für die Flüchtlinge in unserem Landkreis wäre das Angebot von großem Nutzen“, meint Christa Naaß und führte weiter aus: „Das EHP ist von den Angeboten her auf der Höhe der Zeit. Nur leider fehlt noch von manchen Seiten die Anerkennung.“
Sprache ist wesentlicher Bestandteil der Kultur und deshalb auch Angelegenheit des Bezirks im Rahmen der Kulturarbeit. Deshalb wurde auch die Frage diskutiert, wie der Bezirk Mittelfranken helfen kann – sei es in finanzieller Art, aber auch durch eine enge Verbindung mit dem Europäischen Schullandheim in Bad Windsheim, durch Besuch von Delegationen des Bezirks aus den europäischen Partnerregionen Limousin und Pommern, um die ohnehin schon vorhandenen europaweiten Verbindungen noch weiter auszubauen und zu stärken u.v.m.. „Lasst Euch nicht entmutigen“, machte die stellvertretende Bezirkstagspräsidentin Mut und unterstrich damit auch ihr Bekenntnis zum Europäischen Haus.
Christa Naaß, Stellvertreterin des Bezirkstagspräsidenten, bedankte sich bei der Caritas und der Diakonie, dass sie den Pflegetruck auch nach Ansbach geholt haben mit dem Ziel, auch hier das Thema Pflege in die Öffentlichkeit zu bringen und die unterschiedlichen Problemstellungen zu thematisieren.
Die Bezirkstagsvizepräsidentin wies in ihrem Grußwort darauf hin, dass die Zahl der Pflegebedürftigen steigt. Derzeit sind rund 2,6 Mio Menschen in Deutschland pflegebedürftig. Bis zum Jahr 2050 werden 4,36 Mio Menschen prognostiziert. Die Zahl der Demenzkranken steigt jedes Jahr um 200.000. Und schon jetzt fehlen Pflegekräfte. Im Jahr 2025 werden dies bereits deutschlandweit 152.000 Fachkräfte sein.
Alleine diese Zahlen zeigen auf, dass dringender Handlungsbedarf.
„Weil es um Menschen geht – um zu Pflegende und um die Menschen, die pflegen“, so Christa Naaß. „Eine gute Pflege braucht Zeit, eine gute Pflege braucht ausreichend Menschen in der Altenpflege und eine gute Pflege braucht aber auch mehr Geld.
Es mangelt jedoch
Die Rahmenbedingungen müssen deshalb weiter verbessert werden, damit auch die Attraktivität des Pflegeberufes steigt und für junge Menschen interessant wird, durch bessere Bezahlung, geringere Arbeitsbelastung und mehr Wertschätzung.
„Gerade die Arbeit am Menschen und mit Menschen wird in unserer Gesellschaft nicht ausreichend wertgeschätzt, obwohl sie doch so wertvoll ist.“, weiß die ehemalige Landtagsabgeordnete.
Sie verweist darauf, dass mit der Reform des Pflegezeitgesetzes und Familienpflegegesetzes für pflegende Angehörige durch die derzeitige Bundesregierung die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf verbessert wurde.
Das Pflegestärkungsgesetz ist ebenfalls ein wichtiger und richtiger Meilenstein zur Verbesserung der Situation. Der Pflegebedürftigkeitsbegriff, der sich bislang vorwiegend auf körperliche Einschränkungen bezieht, wird erweitert durch geistige und psychische Einschränkungen. Damit haben rund eine halbe Million Menschen mehr Anspruch auf Unterstützung durch die Pflegekassen
Ein Pflegeberufegesetz, das eine generalistische Pflegeausbildung beinhaltet, ist ebenfalls noch in dieser Legislaturperiode vorgesehen. Das bedeutet, dass alle Pflegeberufe eine gemeinsame Grundausbildung erhalten sollen.
Sie erinnerte aber auch daran, wie wichtig der nicht ganz einfache Kampf im Bayerischen Landtag für eine Schulgeldfreiheit auch bei der Pflegeausbildung war.
Was noch fehlt, ist die Einführung eines Umlagesystems für die Ausbildungskosten. Es werden derzeit nicht genügend Pflegekräfte ausgebildet. Einrichtungen, die im Konkurrenz-kampf weit vorne liegen wollen, bilden nicht aus. Ebenso fehlten flächendeckend in Bayern Pflegestützpunkte.
Vom Freistaat Bayern wünscht sich die Stellvertreterin des Bezirkstags-präsidenten einen Sonderetat für Investitionen für die Sanierung von Alten- und Pflegeheimen, auch auf Grund des Pflege- und Wohnqualitätsgesetzes. Millionen Euro an Investitionen kommen in diesem Zusammenhang auf die Träger zu.
Abschließend verwies sie auf die Leistungen und Aufgabenstellungen des Bezirk Mittelfranken:
Pflege kostet Geld. Viele Menschen können sich die hohen Kosten einer Heimunterbringung jedoch nicht leisten. Der Bezirk Mittelfranken als Sozialhilfeträger und Träger der Kriegsopferfürsorge springt hier ein.
Auf diese Weise hilft der Bezirk Mittelfranken derzeit jährlich ca. 7000 Menschen in 252 Alten- und Pflegeheimen. Dies ist mit einem Bruttoaufwand von über 113 Mio Euro jährlich verbunden.
Christa Naaß hatte noch weitere Zahlen parat:
205 Bürgerinnen und Bürger aus der Stadt Ansbach bekommen „Hilfe Zur Pflege“, 508 Leistungsberechtigte sind es im Landkreis Ansbach, 324 Leistungsberichtigte aus dem Landkreis Neustadt a.d. Aisch/Bad Windsheim und 308 Leistungsberechtigte aus dem Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen.
Abschließend warb sie nochmals für eine gute und menschenwürdige Pflege und für gute und menschenwürdige Arbeitsverhältnisse!
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