Allgemein
Christa Naaß, Generalsekretärin des Sudetendeutschen Rates bedankte sich zu Beginn der Veranstaltung bei Herrn Freyberg, dass er die Ausstellung „Die Reichskanzler der Weimarer Republik“ nach Ellingen geholt hat.
12 Reichskanzler regierten das Deutsche Reich während der ersten parlamentarischen Demokratie in Deutschland, der Weimarer Republik, zwischen der Eröffnung der Nationalversammlung in Weimar am 06.02.1919 und der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 durch den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg.
Christa Naaß bedankte sich aber auch bei der Stiftung Reichspräsident Friedrich-Ebert-Gedenkstätte in Heidelberg und Herrn Dr. Braun für diese Ausstellung, die dem Vergessen entgegenwirkt und die Reichskanzler der Weimarer Republik wieder ins öffentliche Bewusstsein bringt.
„Nach und neben Friedrich Ebert und Gustav Stresemann kann Hermann Müller, der bereits mit 17 Jahren der SPD beigetreten ist, als eine der wichtigsten politischen Persönlichkeiten der Weimarer Demokratie gelten“, so Christa Naaß. „An seiner Biographie lassen sich wie an kaum einer anderen die Handlungsspielräume, Möglichkeiten und Versäumnisse sowie das tragische Scheitern der ersten deutschen Republik aufzeigen – sowie sein durch einen jahrzehntelangen Kampf um die Demokratie geprägtes und davon letztendlich auch aufgezehrtes Leben.
Als Mitglied des SPD-Parteivorstandes, des Zentralrates der Arbeiter- und Soldatenräte, Fraktionsvorsitzender und Ausschussvorsitzender in der Nationalversammlung hatteHermann Müller, der auch "Franken-Müller" genannt wurde, die demokratische Umbruchphase unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg in vorderster Reihe mit gestaltet. In dieser Zeit waren die Integrationskraft und das Fingerspitzengefühl von Hermann Müller besonders gefragt gewesen.
Hermann Müller war zweimal Reichskanzler (1920 und 1928/30) und er war der letzte Reichskanzler einer parlamentarisch legitimierten Regierung der Weimarer Republik. Trotz außenpolitischer Erfolge geriet der Reichskanzler in einen nicht zu bewältigenden Spagat zwischen seinem immer weiter nach rechts abdriftenden Koalitionspartner DVP einerseits und seiner zunehmend an die Grenzen ihrer Kompromissfähigkeit geratenden eigenen Partei.
Das Auseinanderdriften der sozialpolitischen Ansichten der Regierungsparteien führte dann endgültig zum Auseinanderbrechen der Großen Koalition: Die Debatte um eine Reform und die grundlegende Finanzierung der Arbeitslosenversicherung zeigte, wie weit die Positionen von SPD und DVP aber auch des Zentrums auseinander lagen.
Die Machtergreifung hat Hermann Müller nicht mehr erlebt. Er starb 1931 im Alter von nur 54 Jahren, verschlissen im Kampf für eine gerechte Sache. Er hatte die Machtergreifung des Nationalsozialismus nicht mehr erlebt – aber seine Familie, die „als Sippenangehörige“ eines „Novemberverbrechers“ angefeindet, ausgegrenzt, diskriminiert und verfolgt wurde“.
Christa Naaß ging in ihrem Grußwort aber auch auf die derzeit stattfindenden Gedenkveranstaltungen ein, in denen an die Reichspogromnacht am 09. November 1938 vor 77 Jahren erinnern wird und stellte fest, dass diese Veranstaltung und Ausstellung gut in die Reihe des Erinnerns passt – des Erinnerns daran, wohin Ausgrenzung, Hetze, Hass, Intoleranz, das Schüren von Ressentiments führen kann. „Ich sage das ganz bewusst auch im Hinblick auf die wachsende Anzahl von Übergriffen auf Ausländer, auf Flüchtlingsunterkünfte. Aus verbaler Gewalt wird ganz schnell tätliche Gewalt“, so Christa Naaß. „Deshalb ist es wichtig, der Opfer zu Gedenken, aber auch klar Haltung gegen jeden Ansatz von Ausgrenzung zu beziehen und Widerstand gegen rechtsradikale Tendenzen zu leisten“.
Die bekannte Schauspielerin Iris Berben bekam von der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) und der BayernSPD den Toni-Pfülf-Preis verliehen.
Mit dem Preis würdigt die BayernSPD das Leben und Wirken der Reichstagsabgeordneten Antonie Pfülf (1877 – 1933), die die Gleichstellung der Frau schon damals als Querschnittsaufgabe sah und sich dem nationalsozialistischen Regime widersetzte und letztendlich lieber ihrem Leben ein Ende setzte als unter diesem Regime zu leben.
Die Haundorferin Christa Naaß, Präsidiumsmitglied der BayernSPD, gratulierte der Preisträgerin nach der Verleihung in München am vergangenen Samstag.
Iris Berben bekam den Preis für ihr Engagement gegen Rechtsradikalismus und für ein weltoffenes und tolerantes Deutschland sowie für ihre herausragende Rolle als Elisabeth Selbert im Film „Sternstunde ihres Lebens“.
Iris Berben, eine der bekanntesten deutschen Schauspielerinnen, war und ist der Kampf gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit ein besonderes Anliegen. So erinnerte sie in Lesungen aus dem Buch „Mama, was ist Auschwitz?“ oder bei den von Michael Verhoeven inszenierten Gegenüberstellungen von Teilen aus den Tagebüchern von Anne Frank und Joseph Goebbels auf höchst eindringliche Weise an das grausamste Kapitel der deutschen Geschichte.
Für Iris Berben ist „es eine große Ehre im Zusammenhang mit diesen beiden Frauen, Toni Pfülf und Elisabeth Selbert, genannt zu werden. Diese Frauen machen Mut, Hoffnung und sie geben Beispiele und sind Vorbild. Wir müssen auch heute immer wieder ein klares Bekenntnis zu Menschlichkeit und Solidarität vorleben, so wie es Toni Pfülf getan hat“.
Frau Berben spendete ihr Preisgeld an den Verein „München ist bunt“, ein gemeinnütziger Verein, der sich gegen Rassismus und Menschenverachtung sowie für eine demokratische und tolerante Stadtgesellschaft einsetzt.
- Otto Kögler war als 9jähriger beim ATUS-Sportfest in Aussig-
Der 94-jährige Otto Kögler aus Ansbach war die Überraschung einer besonderen Filmvorführung beim Jahresseminar der Seliger-Gemeinde in Bad Alexandersbad, berichtet die Generalsekretärin des Sudetendeutschen Rates und Vorstandsmitglied der Seliger-Gemeinde Christa Naaß aus Haundorf.
Aus des Tiefen des Tschechischen Staatlichen Filmarchivs in Prag holten Thomas Oellermann und Jan Sicha bei der Suche nach sudetendeutschen Dokumentarfilmen in der Tschechischen Republik einen Stummfilm aus dem Jahre 1930 mit dem Titel „Von unten auf“ über das ATUS-Sportfest in Aussig/Usti nad Labem hervor, der im Auftrag des ATUS, der Sportorganisation der Sudetendeutschen Sozialdemokraten, gedreht worden war.
Nachdem der 40-minütige Film, nunmehr digitalisiert und von einem Video-Beamer an die Leinwand geworfen worden war, stand plötzlich Otto Kögler aus dem Rund der Seliger-Gemeinde auf und fragte, ob jemand der Anwesenden 1930 dabei gewesen sei? Und gab die Antwort ganz schnell selbst: „Ich war als 9-jähriger dabei.“ Er sei damals zum ersten Mal mit dem Zug gefahren und das schönste sei gewesen, wie sie bei den Massenturnübungen als Kinder sich frei bewegen konnten. Zur Beglaubigung hielt er seine Ausweise in der Hand, darunter den vom ATUS, in dem noch Marken bis zum September 1938 geklebt waren.
So kamen nach 85 Jahren ein Film über ein herausragendes Ereignis des Arbeitersports, der Jahrzehnte verschiedenster Diktaturen im Dunkeln schlummerte, und ein damaliger junger Akteur, der von dem Film keine Ahnung hatte, zu einer bemerkenswerten Begegnung. Das Jahresseminar, das unter dem Thema „Kriegsende und Neuanfang – Befreiung und Vertreibung vor 70 Jahren“ stand, hatte einen fulminanten Akkord zur Eröffnung und alle Teilnehmer begriffen wieder einmal, wie wichtig die Seliger-Gemeinde noch immer im Austausch mit der Tschechischen Republik ist.