Frank Lorenz, der den Bus regelmäßig nutzt, sprach sich im Namen von Senioren und Mütter mit Kindern entschieden für den Erhalt und eine Rückkehr zum Halb-Stunden-Takt aus. Er ist enttäuscht von der Stadtpolitik, kritisierte beim Stadtbus "einen schleichenden Prozess" hin zur Verschlechterung des Angebots. Schon seit Jahren sei klar, dass es ein neues Konzept für den Bus braucht, und ebenso lange wüssten die verantwortlichen Kommunalpolitiker, wie schlecht es um den städtischen Haushalt steht. "Im Stadtrat saß nicht nur die CSU", so Lorenz.
Zweiter Bürgermeister Richard Fischer, der die möglichen zukünftigen Varianten für den ÖPNV kurz erläuterte, betonte: "Jeder von uns will, dass dieser Bus fährt." Allerdings wies er auch auf die großen finanziellen Belastungen und die zu geringen Fahrgastzahlen hin. Jeder Waldkraiburger fahre statistisch gesehen eineinhalb Mal pro Jahr mit diesem Bus. Die SPD habe immer wieder vor Haushaltsrisiken gewarnt, sagte auch Alex Will. Beim Stadtbus gebe einen bestimmten Bedarf. "Den müssen wir bedienen. Die Art der Bedienung ist das Problem." 25 Haltestellen in Waldkraiburg seien "Luxus, den wir uns nicht leisten können", so Will.
Auch beim Stadtbus sieht Edith Schopf ein überzogenes Anspruchsdenken in der Bevölkerung. Die Stadt muss alles richten. "Das funktioniert so nicht mehr." Und: Bürger, die den Stadtbus wollen, müssten ihn auch nutzen. Auch sie spricht sich für den Erhalt des Busses aus. Allerdings sollte man sich auf wichtige Stationen, wie etwa zum Zug, zur Stadtmitte, zum Haus der Kultur beschränken.
Jochen Stein vom SPD-Vorstand sprach sich dafür aus, auch Alternativen zum Stadtbus zu prüfen, zum Beispiel Geld in die Organisation von Mitfahr- und Mitnahmegelegenheiten zu stecken.
Auch eine bessere Vernetzung etwa mit den Altenheimen sei wichtig, befürwortete Edith Schopf. Der Stadtbus solle bleiben, aber finanzierbar sein. Jeden Senior könne man sicher nicht vor seiner Haustüre abholen. Das räumt auch Frank Lorenz ein, der den Bus in Zukunft angesichts der deutlich steigenden Zahl von Senioren für noch wichtiger hält als heute. "Schade wär's wenn er abgeschafft würde, ein Armutszeugnis für die Stadt."
Wie es mit dem Stadtbus weitergeht, darüber berät der Stadtrat am morgigen Dienstag in einer öffentlichen Sondersitzung, die um 18 Uhr im Rathaus beginnt. hg